Spicy Take #1 - Rent-a-Girlfriend gibt eine Vorschau zum Great Reset



Hat dieser auf dem ersten Blick eher oberflächliche Anime doch eine tiefere Bedeutung?
Artwork von
宮島礼吏

Einleitung

Nachdem ich mir alle drei Seasons des Anime-Meisterwerks "Kaguya-sama: Love is War" reinzog und ich weiterhin Bock hatte, mich beim Frühstücken von Animes unterhalten zu lassen, beschloss ich, schnell den nächsten anzufangen.
Mir ist bewusst, dass es viele qualitativ höhere Animes zu schauen gibt als den um den es heute gehen wird aber ich hatte in dem Moment keine Lust, meine Sandwiches aus'm Sandwich-Maker kalt werden zu lassen. Was man nicht alles für ein ununterbrochenes Frühstück tut ...
Bevor ich jedoch einigermaßen meine gewagte Aussage, wie ein simpler Anime wie Rent-a-Girlfriend eine Vorschau zum Leben im Great Reset geben kann, muss ich jedoch erst ein paar Worte zum Plot des Animes loswerden. Also, worum geht es bei "Rent-a-Girlfriend"?
 

Die Handlung

Zur Handlung des Animes muss zum Verständnis meiner These glücklicherweise nicht allzu viel gesagt werden. Protagonist des Animes ist der 20-jährige Kazuya Kinoshita, der in Tokyo lebt und als Student tätig ist. Aus optischer Sicht her ist dieser junge Erwachsene nichts besonderes und macht charakterlich sehr den Eindruck eines Klischee-Nerds.
Die Handlung wird aus seiner Sicht aus erzählt und beginnt mit einer Vorstellung seinerseits. Während seiner Vorstellung erklärt er plötzlich geschockt, dass seine Freundin Mami Nanami ihn wohl just in diesem Moment verlassen habe.
Aus Frustration "mietet" er sich eine Freundin über das Netzwerk "Diamond",
welches im Universum der Handlung ein Online-Marktplatz ist, der die Gesellschaft von einer Auswahl aus vielen verschiedenen jungen Frauen als Dienstleistung (ohne sexueller Elemente) anbietet. Er wählt ein Mädchen names Chizuru Mizuhara aus, mit der er sich im Laufe der Geschichte nicht nur einmal sehen wird. Bei ihrem zweiten Treffen erfährt Kazuya, dass seine Großmutter, die in der Geschichte seit Längerem im Krankenhaus ist, zusammengebrochen sei. Er eilt mit Chizuru nach Erhalt dieser Nachricht ins Krankenhaus. Im Krankenhaus angekommen, ist seine Großmutter wohlauf und redet mit den Eltern von Kazuya, die ebenfalls bei der Mutter anwesend sind.
Als natürlicherweise die Frage auftritt, wer denn seine weibliche Begleitung sei, sagt er dummerweise, dass Chizuru seine Freundin ist. Ab diesem Zeitpunkt beginnt einer der Kernelemente der Handlung, nämlich die Lüge, dass die beiden in einer Beziehung sind. Die beiden werden gezwungen, diese Lüge aufrecht zu erhalten, da nach weiteren Rendezvous mit Chizuru auch die Freunde sowie weitere Bekannte von Kazuya von seiner "Freundin" mitbekommen. Im Laufe der Geschichte bekommen immer mehr Leute von dieser Beziehung mit, was es für die beiden immer schwerer macht, die Wahrheit zu offenbaren. Kazuya möchte sich selbst nicht blamieren, indem er zugibt, einfach nur eine Freundin "gemietet" zu haben. Gleichzeitig will er auch Chizuru schützen, wessen Job als "Rental Girlfriend" ein Geheimnis ist. Mietbare Freundinnen sind im Plot zwar etwas allgegenwärtiges (weitere wichtige Charaktere im späteren Verlauf entpuppen sich ebenfalls als mietbare Gesellschaft), sind jedoch für den Kunden sowie der Dienstleisterin eine Sache, die nur zwischen den beiden bleiben soll. 
 
 

Vorschau zum Great Reset?

Es ist natürlich nach dem Lesen der Handlung nachvollziehbar, wie man einen simplen Anime über mietbare Freundinnen mit der Ernsthaftigkeit des Great Resets verbinden kann. Als mir die folgende Theorie beim Schauen des Animes in den Kopf kam,
hab ich diese Verbindung ebenfalls erstmal als einfachen lustigen Gedankengang abgestempelt aber es gibt tatsächlich wirklich was interessantes dazu zu sagen.
Wie bei der groben Darstellung der Handlung erklärt ist es in der Welt von Rent-a-Girlfriend normal, sich Gesellschaft über einen Online-Marktplatz zu erweben.
In der Handlung erfährt der Protagonist auch von weiteren Online-Marktplätzen und freundet sich mit einem Mädchen sogar an, die bei einem anderen der verschiedenen Marktplätze der Stadt tätig ist. Die Präsenz von mietbaren Freundinnen ist also in der Geschichte des Animes eine völlige Normalität. Es wäre zwar für die Leute im Plot unangenehm zu erfahren, wenn jemand herausfindet, dass das Mädchen mit dem man rumlief nur gemietet ist, das stoppt die Leute jedoch nicht, sich Gesellschaft zu buchen, wenn man das Bedürfnis dazu bekommt.

Was ist denn jetzt überhaupt so spicy an dieser ganzen Sache und was hat das mit dem Great Reset zu tun? Zuerst etwas grobes zum Great Reset für's Verständnis:
Der Great Reset, der mehr oder weniger direkt auf dem World Economic Forum im Jahr 2016 angepriesen wurde ist der Aspekt, dass der Bürger das Konzept von Besitztümern bis 2030 komplett verändert auffassen wird, verglichen mit dem Konzept von Besitz,
welches wir heutzutage kennen. Man setzt sich nämlich zum angeblichen Schutz der Umwelt und "Effizienz" zum Ziel, dem Menschen jegliche Besitztümer zu entnehmen und die Dinge, die einst für uns ein Besitztum waren, als mietbare Dienstleistung zu verkaufen. Die Prognose des WEF war sogar so dreist, das ganze an einem Beispiel zu verbildlichen: Man würde gar nicht mehr in seinen eigenen vier Wänden leben, geht man aus seinem Zimmer nämlich raus, so wird dieses binnen Sekunden zum Meeting-Raum für
Büro-Angestellte. Vorteilhaft ist so eine Welt natürlich für die Regierungen der Staaten auf der Welt sowie den großen Unternehmen, die einem diese Dienstleistungen anbieten werden. So kann die Regierung natürlich deutlich mehr Kontrolle über das eigene Volk bekommen und die Unternehmen ihre Kosten maximieren, wenn das eigene Haus nur zur einer temporären Bleibe wird über das man keine Rechte verfügt.
Die Menschheit wird auf so eine Zukunft, in der Interaktionen so oberflächlich und vergänglich sein sollen auch schon langsam vorbereitet. Günstige Abonnements, die jederzeit kündbar sind oder der mietbare E-Scooter, mit dem kilometerlange Fahrten nur ein paar Euro kosten, trimmen uns schon zu einem Bewusstsein, bei dem ein Bedürfnis bestenfalls impulsiv und ohne große Überlegung gestillt werden soll.
Nachteile "gibt" es ja keine signifikanten: Netflix hat dich nach der Kündigung unter 15€ gekostet und die Anmeldung für Instagram war ja kostenlos.
Die ganze Medienlandschaft bildet einen ebenfalls zu einem schnellen irrationalem Verhalten aus: Newsfeeds mit provokanten Schlagzeilen, Instagram mit auffälligen Posts und TikTok mit seinen 15-Sekunden-Clips. Was die eben genannten Dinge alle miteinander gemeinsam haben? Alle wollen die eigene Aufmerksamkeit so schnell und so lange wie möglich erhalten, um Profite durch die Daten, die man bei der Nutzung der App an die Unternehmen schickt zu maximieren. Aufmerksamkeit gelangen diese ganzen Apps und Netzwerke am effektivsten durch stark stimulierende Text- und Videoinhalte
(z.B. provokante Überschriften/Darstellungen), welche kurz und einfach zugreifbar sind,
um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass der Nutzer seine Aufmerksamkeit dem dargestellten Inhalt schenkt. Alles mediale bewegt sich auf diese Richtung zu und wendet die eben genannten Vorgehensweisen an, da man nach jahrelangen Untersuchungen und Statistiken feststellte, dass auf diese Weise am effektivsten Aufmerksamkeitsspannen (und somit Profite) gewonen werden können. Alles konsumierbare muss heutzutage schnell, einfach und ohne Risiko geschehen; man würde ja eher Gründe finden, eine zweistündige Dokumentation nicht zu schauen als einen Clip, der unter 30 Sekunden geht.
Dieses ganze Geschehen hat man als sogenannte "short-term-pleasures" klassifiziert. Der Nutzer wird durch schnelle, auffällige und einfach aufnehmbare Inhalte auf die jeweilige Plattform gelockt, die den Inhalt anbietet. Was das Problem an dem Ganzen ist? Konsumiert man auf Dauer hyperstimulierende Inhalte, die zudem nur kurz anhalten und oberflächlich sind, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit drastisch, dass die Qualität des eigenen Denkvermögens abnimmt. Nimmt das Gehirn nämlich größtenteils grobe, belanglose Infos auf, so werden die eigenen Gedankengänge auch eher grob und belanglos, was dem kritischen Urteilsvermögen signifikanten Schaden zufügt. Ist das kritische Urteilsvermögen eingeschränkt, so wird man Dinge wie die Konzepte des Great Resets gar nicht sofort als Gefahr erkennen können. Die Regierungen und Unternehmen werden diese Konzepte dann noch so "positiv" vermarkten, dass eine Ablehnung gegenüber dem Ganzen gar nicht sofort in den Sinn kommen wird. Nun weiter zu den Effekten der oberflächlichen Medien: "Längere" und komplizierte Medien, wie eine Dokumentation oder ein Buch mit mehreren hundert Seiten werden für einen "langweilig", da man sich kopflich daran gewöhnt hat, Unterhaltung und den damit verbundenen Spaß nach kürzester Zeit und erst bei starken Stimuli zu erhalten. Wenn man sich stundenlang pro Tag damit beschäftigt, hunderte von auffälligen, bunten Videos, die unter einer Minute gehen anzuschauen dann erscheint einem ein Buch mit Text schwarz auf weiß natürlich langweilig.  Das Problem hört dabei nicht auf: Alle Internetseiten, soziale Netzwerke sowie die Apps auf dem Handy sind heutzutage so gemacht, dass man durch clevere, subtile Manipulationen gelenkt wird, so lange wie möglich die Inhalte auf der jeweiligen Plattform zu konsumieren und so oft wie möglich zurückzukehren.

Nach dieser Erklärung der immer zunehmenden Oberflächlichkeit menschlicher Interaktionen mit der Außenwelt und der Höhepunkt dessen durch den Great Reset, wird auch nun das folgende verständlich sein: Wenn alle Dinge auf der Welt grobe, oberflächliche, einfach und schnell zu bekommende Dienstleistungen werden, so gibt es eine Möglichkeit, dass zwischenmenschliche Beziehungen dem Menschen durch diese ganzen Systeme auch zu "kompliziert" werden und das Individuum beginnen wird, Gesellschaft zu mieten, sei es auf freundschaftlicher oder romantischer Ebene.
Eine Person, die einem auf authentischer Weise Interesse für die eigene Person vorspielt, egal welche Vor- und Nachzüge man hat ist ja einfacher zu handhaben als eine ganze Beziehung mit den ganzen Schwierigkeiten, die dabei entstehen können, wie Meinungsverschiedenheiten, Diskussionen und Streitigkeiten.
Kombiniert noch mit den Statistiken, dass immer mehr Männer heutzutage einsam und sexuell frustriert sind,
wirkt ein Zukunftsszenario, bei dem man "Rent-a-Girlfriend" in die Suchmaschine eingibt nicht ganz unrealistisch. Ähnliches gibt es ja bereits schon, siehe Escorts und
OnlyFans-Darstellerinnen, die per Chat einsamen und frustrierten Männern ihre Aufmerksamkeit geben.
Die Inhalte von Rent-a-Girlfriend zeigen ja eindeutig diese Dinge, über die ich gerade gesprochen habe. Die Einsamkeit des Protagonisten und der weiteren Männern im Plot sowie die Einfachheit der "Lösung" dieser werden eindeutig sichtbar: Kazuya mietet sich direkt nachdem seine Freundin mit ihm Schluss macht die werte Chizuru, um die Einsamkeit so schnell wie möglich loszuwerden. Der Einsamkeits-Aspekt wird noch umsomehr von den anderen mietbaren Freundinnen unterstrichen, die im Verlauf des Animes behaupten, dass sie Gutes tun, indem sie einsamen Männern ein Gefühl von Nähe geben und ihnen für kurze Zeit ihre Einsamkeit durch ihre professionelle Gesellschaft nehmen.

Die lustige, farbenfrohe, jedoch im Kern dunkle Welt von Rent-a-Girlfriend könnte tatsächlich Realität werden. Warum sollten Menschen in 10 Jahren noch versuchen, sich Mühe zu geben und den ganzen Schwierigkeiten bei der Beziehungssuche zu trotzen, wenn man das ersehnte Gefühl der Nähe schnell über das Internet buchen kann?
Man wird bis dahin wahrscheinlich geschafft haben dem Durchschnittsmenschen jegliche Rationalität aus dem Kopf auszuradieren.
Jegliche durchgeführte Handlung wird nur auf einen impulsiven Wunsch zurückzuführen sein ohne einem Hauch von längerer und genauerer Überlegung.
Einem Menschen, dessen Hirn durch die Eliminierung jeglicher Langlebigkeit in der Außenwelt nur belangloses aufnimmt sowie produziert, wird es in einer Welt des Great Resets nicht absurd erscheinen, einen Partner zu mieten, falls der Wunsch nach Nähe nicht befriedigt werden kann.




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